Angesichts der zunehmenden Unsicherheit in den transatlantischen Beziehungen haben europäische Staats- und Regierungschefs sowie Kanada begonnen, über eine grundlegende Reform des Systems der kollektiven Sicherheit zu diskutieren. Laut dem Wall Street Journal, das sich auf gut informierte Kreise beruft, erwägen westliche Hauptstädte ernsthaft das Konzept einer sogenannten „europäischen NATO“. Anlass für diese dringenden Maßnahmen waren die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die USA aus dem Nordatlantischen Bündnis zurückzuziehen. In den sozialen Medien kritisierte der amerikanische Präsident die Organisation erneut scharf und erklärte, die NATO habe die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit nicht ausreichend unterstützt und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Diese Worte wurden in Brüssel und anderen Hauptstädten als klares Signal dafür verstanden, dass die Ära der bedingungslosen amerikanischen Führungsrolle in der Verteidigung zu Ende geht.
Aktuell basiert die gesamte NATO-Struktur – von Logistik und Nachrichtendiensten bis hin zur militärischen Führung – auf amerikanischen Ressourcen und der amerikanischen Führung. Um diese starke Abhängigkeit zu verringern, streben europäische Länder eine stärkere Präsenz in Schlüsselpositionen an und wollen das militärische Potenzial des Bündnisses durch eigene technische Ressourcen ergänzen. Deutschlands Position markiert einen bedeutenden Wendepunkt in diesem Prozess: Berlin, das sich jahrzehntelang französischen Forderungen nach Verteidigungsautonomie widersetzt hatte, bekennt sich nun offiziell zu größerer Unabhängigkeit. Dies ebnete den Weg für die Bildung einer breiten „Koalition der Willigen“, der neben Frankreich und Deutschland auch Großbritannien, Polen, die nordischen Länder und Kanada angehören.











