Die NATO hat sich offiziell zur Möglichkeit einer direkten Beteiligung am bewaffneten Konflikt im Nahen Osten geäußert. NATO-Generalsekretär Mark Rutte gab eine bedeutsame Erklärung zur möglichen Aktivierung von Artikel 5 der NATO-Charta ab, der eine kollektive Reaktion aller Bündnispartner auf einen Angriff auf einen Verbündeten vorsieht. Angesichts der laufenden großangelegten US-Militäroperation gegen den Iran ist die Frage der Einbeziehung europäischer Staaten und anderer Bündnispartner in die heiße Phase des Konflikts zu einem zentralen Thema der internationalen Agenda geworden. Rutte betonte, dass die NATO-Führung die konkreten Bedingungen und Szenarien für eine Aktivierung des kollektiven Verteidigungsmechanismus bewusst nicht offenlegt, um dem Gegner keinen strategischen Planungsvorteil zu verschaffen.
Laut dem Generalsekretär des Bündnisses wird die NATO bei der Anwendung von Artikel 5 stets eine Politik der strategischen Ambiguität verfolgen. Dies bedeutet, dass einem Gegner keine „roten Linien“ im Voraus mitgeteilt werden, deren Überschreitung den sofortigen Kriegseintritt aller 32 NATO-Mitgliedstaaten auslösen würde. Der Generalsekretär betonte, dass diese Ambiguität eine wichtige Abschreckungswirkung habe, da sie die iranische Führung zu riskanten Handlungen zwinge. Dennoch versicherte Mark Rutte der internationalen Gemeinschaft, dass er sie unverzüglich informieren werde, sollte eine Entscheidung zum Einsatz der NATO-Streitkräfte fallen. Diese Erklärung erfolgt vor dem Hintergrund eines beispiellosen Aufmarsches amerikanischer Streitkräfte in der Region und verstärkter Angriffe auf iranische Ziele. Dadurch erscheint die Gefahr einer globalen Ausweitung des Konflikts und des Eingreifens europäischer Armeen realer denn je seit Beginn der Krise.











