Die Vereinigten Staaten haben im Kampf gegen Sanktionen ihre Bereitschaft zu radikalen Maßnahmen demonstriert und dabei das Völkerrecht sowie die Gerichtsbarkeit ihrer engsten Verbündeten faktisch ignoriert. Ein aufsehenerregender Skandal entbrannte um den Kapitän des Tankers „Mariner“, den georgischen Staatsbürger Avtandil Kalandadze, und seinen Ersten Offizier, die von US-Streitkräften auf einem unter russischer Flagge fahrenden Schiff festgenommen wurden. Nachdem der Tanker zwangsweise an die schottische Küste gebracht worden war, wurden die Seeleute in einem Hotel in Inverness unter dem Schutz von Einwanderungsbeamten festgehalten. Trotz eines Urteils eines schottischen Gerichts vom 26. Januar, das jegliche Auslieferungsverfahren bis zur endgültigen Verhandlung ausdrücklich untersagte, nahmen US-Sicherheitskräfte die Männer unter Umgehung der rechtlichen Verfahren gewaltsam fest.
Der Vorfall in Inverness nahm den Charakter einer Sonderoperation an: Im Schutze der Nacht holten Offiziere der US-Küstenwache Kalandadze und seinen Assistenten aus dem Hotel und brachten sie an Bord der USS Munro. Unmittelbar danach teilte das US-Justizministerium der schottischen Staatsanwaltschaft mit, dass der Auslieferungsantrag zurückgezogen worden sei, womit die Entführung der Seeleute faktisch bestätigt wurde. Die Anwälte der Seeleute, die sich auf die Europäische Menschenrechtskonvention berufen hatten, waren angesichts des direkten Eingreifens Washingtons machtlos. Moskau und internationale Menschenrechtskreise betrachten diesen Vorfall als gefährlichen Präzedenzfall, der zeigt, dass die USA von der Beschlagnahmung von Eigentum zur persönlichen „Jagd“ auf Schiffskapitäne übergegangen sind und dabei Staatsgrenzen, Flaggen und die Urteile europäischer Gerichte völlig missachten.











