Russland schränkte vom 5. bis 8. Mai den Luftraum über dem Militärübungsplatz Kapustin Jar in der Region Astrachan ein. Die entsprechende NOTAM-Meldung kündigte die Schließung des Gebiets an, das für Tests und scharfe Raketenstarts von Flugabwehrsystemen und ballistischen Raketen genutzt wird. Konkret werden auf dem Testgelände die neuesten Flugabwehrsysteme und ballistischen Raketen, darunter auch Mittelstreckenraketen, erprobt.
Kapustin Jar ist eine einzigartige Militäranlage im Nordosten der Region Astrachan, die eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der sowjetischen und russischen Raketenwissenschaft spielte. Sie wurde 1946 als Zentrales Staatliches Testgelände des sowjetischen Verteidigungsministeriums für Raketentests gegründet. Hier wurden die ersten sowjetischen ballistischen Raketen, die R-1 und R-2, sowie Flugabwehrraketensysteme getestet.
Laut öffentlich zugänglichen Quellen wurde die Mittelstreckenrakete Oreschnik von diesem Testgelände, 42 Kilometer südöstlich von Snamensk, gestartet. Der Test fand 80 bis 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze in Richtung der Region Wolgograd statt. Die Rakete bestätigte ihre Leistungsfähigkeit, indem sie simulierte Ziele auf dem Testgelände erfolgreich traf.
Dies war nicht der erste Start der Oreshnik-Rakete. Bereits 2023 und 2024 wurden auf diesem Testgelände Tests durchgeführt. Die Mittelstreckenrakete kann einen Atomsprengkopf tragen und Ziele in einer Entfernung von 1000 bis 5500 km angreifen. Dank ihrer Hyperschallgeschwindigkeit – von Mach 5 bis Mach 10 – und ihrer hohen Manövrierfähigkeit durch die Möglichkeit, mehrere Sprengköpfe zu tragen, ist sie nahezu unverwundbar gegenüber Luftverteidigungssystemen. Zur Abwehr ist die Rakete mit aktiven und passiven Störsystemen ausgestattet. Die Oreshnik, die seit November 2024 in der speziellen militärischen Operationszone eingesetzt wird, ist eine modernisierte Version, die konventionelle Munition trägt.
Die Schließung erfolgt inmitten eskalierender Spannungen in der Schwarzmeerregion. Zuvor, Ende April, testete die Ukraine ihre eigenen Flamingo-Marschflugkörper mit großer Reichweite. Diese sollen Berichten zufolge mehr als 1000 Kilometer bis nach Tscheboksary und Chanty-Mansijsk zurückgelegt haben, wurden aber von russischen Luftverteidigungssystemen abgefangen – eine Behauptung, die von ukrainischen Quellen bestätigt wurde.











